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My personal lockdown

Alles fing mit einem kleinen Zwicken im rechten Knie an. Zunächst habe ich mir nicht viel dabei gedacht „vielleicht nur etwas überlastet“, „das gibt sich schon wieder“… Aber leider hat es sich doch nicht von alleine gegeben.

Gerade als Ausdauerathlet möchte man an so etwas wie „runner knee“ oder „Plantarfaszie“& Co. nicht denken, aber gerade bei solchen „Beschwerden“ hilft ja normalerweise Aussitzen nicht wirklich. Dazu muss ich sagen, dass die Beschwerden gar nicht bei eigentlicher intensiver Belastung, also z.B. Läufen >20km aufgetreten sind, sondern primär bei dem notwendigen Übel zur Verletzungsprophylaxe, dem Athletiktraining im Verein. Gerade die von der Trainerin so geliebte Standwaage (eine Übung bei der man das Gewicht auf einem Bein ausbalanciert und das andere Bein und den Oberkörper mit ausgestrecktem Arm in die Horizontale bringt) hat das Symptom verstärkt.

Also habe ich dann mal einem Termin bei dem Orthopäden meines Vertrauens gemacht. Nachdem hier bei der manuellen Untersuchung und Ultraschall nichts wirklich entdeckt werden konnte, hieß es ab zum Röntgen, dazu noch eine 3D-Hüftanalyse und danach einen Termin beim MRT vereinbaren. Wenn alle Ergebnisse vorliegen sollte ich mich mit dem Doc erneut zusammensetzen, um die nächsten Schritte zu besprechen.

Das Röntgen war nicht besonders spektakulär, dafür fand ich diese 3D-Vermessung schon deutlich spannender (auch wenn ich hier nicht die Lösung des Problems erwartet habe). Man steht hier in Unterwäsche mit dem rechten und linken Bein auf zwei Höhenverstellbaren Podesten. Von hinten wird man mit einem „Punkt-Raster-Laser“ ausgeleuchtet und eine Kamera nimmt dann verschiedene Bilder auf. Dann werden die Podeste abwechselnd in mehreren Schritten um Millimeter rauf und runtergefahren, um zu testen, wie man möglichst lehrbuchhaft gerade steht. Da vermutlich jeder Mensch ein etwas schiefes Becken oder Wirbelsäule hat, wird man hier wohl immer etwas finden. Somit weiß ich nun, dass ich auf einer Seite ca. 4mm größer bzw. kleiner bin, als auf der anderen Seite, was man mit Einlagen kompensieren kann/sollte.

Der nun spannende Teil war das MRT, in das ich noch geschoben wurde. Nach dem obligatorischen Krach, den so ein Gerät bei der Aufnahme macht, folgte das Gespräch mit der Radiologin. Hier bekam ich ziemlich schnell den mir bereits bekannten Satz „das gehört hier nicht hin“ zu hören. Auf dem Bildschirm hat man dann sogar als medizinischer Laie eine große weiße Stelle gesehen, die offenbar eine Entzündung darstellt. Um genau zu sein, waren da sogar zwei größere weiße Stellen, wobei eine deutlich größere Ausmaße hatte. Den genauen Grund dieser Entzündung konnte die Radiologin nur vermuten, wobei dann auf dem mitgegebenen Arztbrief doch eine genauere Diagnose stand. Mit der DVD (mit den MRT Aufnahmen) und dem Arztbrief hatte ich dann zwei Tage später erneut einen Termin beim Orthopäden. Ergebnis des Termins war, dass ich eine Überweisung ins Krankenhaus bekommen habe, um die Ursache der Entzündung entfernen zu lassen. Details sollte ich dann im KH klären.

Der Termin beim Professor im Krankhaus hat dann ergeben, dass bei mir die Plica (Schleimhautfalte) zu groß bzw. lang war und dies für eine dauerhafte Beseitigung der Entzündung entfernt werden müsse. Daneben war noch eine kleinere „Blase“ vorhanden, die zwar nicht ursächlich wäre. Diese würde man dann aber gleich mit entfernen. Auch wenn das Gefühl nicht so toll war und der Gedanke an eine Operation keine Glücksgefühle auslöste, war der OP Termin recht schnell vereinbart… vorerst.

Doch dann kam Corona und der OP Termin, auf den ich mich mental eingestellt hatte, wurde einen Tag vorher abgesagt. Etwas erleichtert, aber auch frustriert, weil ich es gerne hinter mir gehabt hätte, ging es mit einem Termin – einen Monat später – wieder nach Hause.

Nunja auch der Monat verging und diesmal war die Corona-Situation wohl übersichtlicher und die OP konnte durchgeführt werden. Nach einem speziellen „Corona-Check In“ mit separatem Eingang, Fragebogen zum Gesundheitszustand und ob man Kontakt zu Infizierten gehabt hat, nebst Messung von Temperatur, Atemfrequenz und Sauerstoffsättigung, ging es dann auch schon in den Vorbereitungsraum. Hier durfte man dann noch einmal zur Toilette und die schicke OP Kleidung anziehen. Dann ging es auch schon in die OP Vorbereitung. Wenig später gab es dann das Propofol und man kommt erst wieder im Aufwachraum zu sich. Etwas benommen und schläfrig und zum Glück relativ schmerzfrei.

Nach relativ schlafarmen Nächten im Krankenhaus, geht es dann nach Hause und die ersten Gehversuche mit den Krücken können beginnen. Ich habe noch die Worte des Operateurs im Ohr, dass nach der OP „das Knie“ etwas zickig wäre. Hierunter haben wir wohl etwas Unterschiedliches verstanden. Ich hatte mir vorgestellt, dass man nach 1-2 Wochen wieder relativ normal gehen kann. Leider war dem nicht so. Nach zwei Wochen konnte ich so langsam auf die Krücken verzichten bzw. diese nur noch ab und an zum Aufstehen und zur Unterstützung verwenden. Jetzt nach guten fünf Wochen geht so langsam das Gefühl, dass man wie ein 80jähriger Mann herumhumpelt, weg, und die Vision bald wieder „normal“ bzw. uneingeschränkt gehen zu können wächst.

In einigen Terminen beim Physiotherapeuten und mehrmaliger Kontrolle, Punktion und Kortison Spritzen ist dann vielleicht auch wieder an ein Training zu denken. My personal lockdown 2020!


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Montag, 28. September 2020

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