Von Trimarkus auf Dienstag, 25. August 2015
Kategorie: trilife

EMS statt Rumpfstabi Training

E

ine stabile Rumpfmuskulatur ist für jeden wichtig, für Ausdauersportler mit entsprechender Belastung natürlich umso mehr. Neben der Reduktion des Verletzungsrisikos ist es gerade beim Schwimmen immer schön zu beobachten, wenn jemand mit abknickender Hüfte gegen das Wasser ankämpft. Der Körper liegt dann wie ein Keil im Wasser und erhöht so ungemein den Wasserwiderstand. Statt dieses Problem zu beseitigen, wird dann immer wie verrückt mit Paddles trainiert, um durch mehr Armkraft diese Fehlhaltung zu kompensieren. Daher sollte eigentlich das Rumpfstabi Training zu den regelmäßigen Trainingseinheiten gehören.

Auch das noch? Wann soll ich das noch machen?

Ok, so viel Aufwand ist das Ganze natürlich nicht und mit entsprechender Anleitung oder im Verein kann man das recht gut hinbekommen. Doch auch wenn Triathleten vermutlich nicht faul in Bezug auf regelmäßiges Training sind, kann man sich da noch etwas Zeit optimieren. Hier Kommt EMS wie gerufen. Aber was ist nun wieder EMS? EMS ist die Abkürzung für: E=Elektro (durch Strom), M=Myo (griechisch Muskel) und S=Stimulation (Aktivierung, Reizung).

Ziel ist die Stimulation der Muskeln über einen externen Reiz. Muskeln benötigen immer Reize, um aktiviert zu werden. Normalerweise werden diese Reize über das zentrale Nervensystem des Körpers ausgelöst und damit über das Rückenmark und die Nervenfasern an die entsprechenden Muskeln weitergeleitet. Auchs diese körpereigenen Reize sind bereits im physikalischen Sinn elektrischer Natur. Das EMS-Training ist letztlich nichts anderes als eine gezielte Verstärkung dieser körpereigenen elektrischen Reize von außen. Diese elektrischen Reize werden über eine Weste mit eingenähten Elektroden und ergänzenden individuellen Elektroden an Armen und Beinen auf den Körper übertragen. Unter den angefeuchteten Elektroden trägt man nur seine Trainingskleidung, eine Art hautenge Thermounterwäsche aus elastischem Material, damit die Impulse möglichst ungefiltert übertragen werden können.

Die besten Resultate erzielt man tendenziell beim Elektro-Training, wenn man aktive Bewegung/Übungen und von außen kommenden elektrische Reize kombinieren. Auf jede Übung, die zur Kontraktion der Muskulatur führt, wird zusätzlich ein entsprechender elektrischer Impuls von außen gesetzt. Der Muskel erfährt so eine zusätzliche Spannungserhöhung, eine optimierte Frequentierung und Rekrutierung seiner Fasern und damit eine noch effektivere Reizsetzung.

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EMS-Training trainiert nahezu alle Muskeln zeitgleich mit höchster Effektivität, wodurch schnelle Erfolgsergebnisse erzielt werden können, die man sonst zumeist nur durch langes und konsequentes Krafttraining erreichen kann. Somit ist EMS Training ein äußerst effektives und zeitsparendes Ganzkörpertraining auf Basis von Muskelstimulation durch elektrische Impulse, die auch die Tiefenmuskulatur (die wichtigen Stabilisationsmuskeln) anspricht. Dies ist mit einem herkömmlichen Krafttraining kaum bzw. gar nicht möglich. Der zweite entscheidende Erfolgsfaktor ist die gleichzeitige Aktivierung aller großen Muskelgruppen, der tiefliegenden Muskelfasern sowie der Bereiche, die der Mensch willentlich nur sehr schwer trainieren kann.

Es konnte wissenschaftlich belegt werden, dass durch das EMS-Training die Körperstabilität schnell und zielgerichtet verbessert werden kann. Und genau das ist es ja, was der Ausdauersportler für die richtige Haltung und zur Vermeidung von Verletzungen benötigt. Ebenfalls positiv ist, dass das Training zudem körper- und gelenkschonend ist, da man nicht gegen Gewichtswiderstände trainiert.

Rumpfstabilität klingt unspektakulär, fehlt aber häufig

Man kann viel schwimmen, Rad fahren und laufen und trotzdem feststellen, dass die Körpermitte bei bestimmten Bewegungen schnell müde wird. Gerade beim Kraulen wird eine schwache oder schlecht koordinierte Rumpfmuskulatur sichtbar. Die Hüfte sinkt ab, der Körper bietet dem Wasser mehr Widerstand und die Arme müssen gegen ein Problem arbeiten, das sie allein nicht lösen können. Auch auf dem Rennrad und beim längeren Laufen kann eine stabile Haltung helfen, die Bewegung kontrolliert auszuführen.

Nur ist Rumpfstabilitätstraining nicht unbedingt die Einheit, auf die ich mich am meisten freue. Nach mehreren Ausdauersportarten ist der Kalender ohnehin gefüllt. Genau da klang EMS nach einer verführerischen Abkürzung: Elektrische Muskelstimulation statt zusätzlicher Übungen. Weniger Zeitaufwand und trotzdem ein deutlicher Reiz für die Muskulatur – zumindest so die Werbeidee. Die Frage ist, welche Rolle das Verfahren tatsächlich spielen kann und welche Erwartungen man lieber kritisch betrachten sollte.

Was EMS macht und was nicht

Bei der Elektromyostimulation werden Muskeln durch elektrische Impulse angesprochen. Je nach Anwendung kann das in einem angeleiteten Training mit aktiven Bewegungen kombiniert werden. Der wahrnehmbare Reiz ist ungewohnt und teilweise intensiv. Daraus folgt allerdings nicht automatisch, dass man die gleichen motorischen Fähigkeiten erwirbt wie bei einer stabilen, eigenständig kontrollierten Bewegung. Ein Muskel, der kontrahiert, ist noch nicht dasselbe wie ein Körper, der unter sportlicher Belastung komplexe Aufgaben koordiniert.

Für mich wäre daher die Frage entscheidend, was ich verbessern möchte. Geht es um allgemeine Muskelkraft, eine gezielte Ergänzung zum Training oder um die Fähigkeit, beim Schwimmen die Wasserlage stabil zu halten? Das sind unterschiedliche Ziele. EMS kann unter geeigneten Bedingungen eine Trainingsmethode sein, sollte aber nicht pauschal als vollständiger Ersatz für Bewegungsübungen betrachtet werden. Vor allem die Belastungssteuerung und mögliche Kontraindikationen müssen fachkundig berücksichtigt werden. Die Intensität sollte nicht allein danach gewählt werden, wie beeindruckend sich die Impulse anfühlen.

Warum der schnelle Effekt täuschen kann

Eine neue Trainingsmethode sorgt häufig für ungewohnte Müdigkeit oder Muskelkater. Das kann den Eindruck erwecken, man habe in kurzer Zeit besonders viel erreicht. Doch starkes Muskelgefühl ist kein verlässliches Maß für sinnvollen langfristigen Fortschritt. Ein vernünftiger Trainingsreiz muss zur aktuellen Belastbarkeit passen und ausreichend Erholung ermöglichen. Gerade bei intensiver Elektrostimulation ist Zurückhaltung wichtig. Übermäßig starke Einheiten können erhebliche Muskelbeschwerden verursachen und in seltenen Fällen ernste Komplikationen nach sich ziehen.

Ich würde solche Anwendungen deshalb nicht einfach als zusätzliche harte Einheit in eine ohnehin volle Trainingswoche aufnehmen. Eine fachlich qualifizierte Betreuung sollte die gesundheitliche Eignung prüfen, die Intensität steuern und bei ungewöhnlichen Beschwerden reagieren. Wer bestimmte Erkrankungen oder implantierte medizinische Geräte hat, muss die Eignung vorher medizinisch klären. Ein Trainingsstudio ist kein Ersatz für eine solche Abklärung.

Die Alternative ist nicht besonders exotisch

Rumpfstabilität kann man auf verschiedene Arten trainieren. Einfache Übungen, bei denen man die Körpermitte aktiv stabil hält, benötigen häufig wenig Ausrüstung. Entscheidend ist die saubere Ausführung und eine Belastung, die sich Schritt für Schritt steigern lässt. Das klingt nach weniger Technik und weniger Werbeversprechen. Für den sportlichen Alltag kann es aber ausgesprochen praktisch sein, weil man solche Übungen ohne großen organisatorischen Aufwand unterbringen kann.

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Ich würde lieber eine kurze Routine regelmäßig umsetzen als alle paar Wochen einen besonders ambitionierten Stabi-Marathon veranstalten. Die Übungen sollten unterschiedliche Aufgaben abdecken: Spannung in einer Position halten, kontrolliert gegen Rotation arbeiten und eine stabile Haltung bei Bewegungen bewahren. Die konkrete Auswahl hängt von Beschwerden und Leistungsstand ab. Eine gute Einweisung kann helfen, Fehler zu vermeiden und die richtige Schwierigkeit zu finden.

Der Übertrag aufs Schwimmen ist entscheidend

Selbst wenn die Rumpfmuskulatur im Studio stärker wird, bedeutet das nicht automatisch, dass meine Wasserlage besser ist. Beim Kraulen müssen Atmung, Rotation, Beinschlag und Armzug zusammenkommen. Die stabile Körperhaltung ist ein Teil dieser Koordination. Deshalb halte ich es für sinnvoll, Kraft- oder Stabilitätstraining mit gezielten Technikübungen im Wasser zu verbinden. Wer nur eine Seite trainiert, übersieht möglicherweise das eigentliche Problem.

Auch beim Radfahren kann eine kräftige Körpermitte hilfreich sein, wenn man länger in einer bestimmten Position bleiben möchte. Sie korrigiert aber keine grundsätzlich unpassende Einstellung des Fahrrads. Ähnlich beim Laufen: Eine stabile Haltung entsteht aus mehreren Faktoren, einschließlich Technik, Beweglichkeit und sinnvoller Belastung. Man sollte nicht erwarten, dass eine einzelne Übungsmethode sämtliche Beschwerden und Bewegungsfehler zuverlässig beseitigt.

Was ich aus einer EMS-Erfahrung ableiten würde

Eine neue Trainingsform darf interessant sein. Ich muss deshalb aber nicht sofort sämtliche herkömmlichen Methoden verwerfen. Ich würde zunächst beobachten, wie sich der Reiz anfühlt, ob er verträglich ist und ob sich nach einer angemessenen Zeit tatsächlich etwas an den eigenen Fähigkeiten verändert. Am besten geschieht das anhand konkreter Aufgaben: Kann ich eine Übung sauberer ausführen? Bleibt meine Haltung im Wasser stabiler? Oder habe ich nur nach einer ungewohnten Einheit besonders starken Muskelkater?

Das klingt nüchtern, verhindert aber falsche Erwartungen. Die verfügbare Trainingszeit ist begrenzt, und jede zusätzliche Methode muss sich ihren Platz verdienen. Ich möchte mich nicht ständig zwischen neuen Technologien entscheiden müssen, sondern sinnvoll Sport treiben. Wenn EMS als ergänzende, betreute Anwendung einen Nutzen hat, kann es einen Platz bekommen. Als magischer Ersatz für Kraft, Technik und Regeneration überzeugt mich die Idee nicht.

Meine Priorität bleibt ein belastbarer Alltag

Triathlon verlangt schon mit Schwimmen, Radfahren und Laufen einiges an Organisation. Eine Stabi-Routine ist dann hilfreich, wenn sie sich ohne großen Aufwand dauerhaft einbauen lässt. Dafür braucht man nicht zwingend spektakuläre Geräte. Man braucht vor allem einen realistischen Umfang und eine gewisse Regelmäßigkeit. Das ist vielleicht die unattraktivste Aussage, die man über eine moderne Trainingsmethode machen kann. Aber ich vermute, sie bleibt auch dann richtig, wenn die nächste technische Innovation bereits im Schaufenster steht.

Ich würde eine Ergänzung deshalb immer vom eigentlichen Ziel her beurteilen: bessere Bewegungskontrolle, sinnvolle Belastbarkeit und möglichst wenig unnötige Beschwerden. Wenn eine Methode dazu beiträgt, ist sie interessant. Wenn sie nur ein neues Versprechen verkauft, kann ich meine Zeit vermutlich sinnvoller nutzen. Der Rumpf wird jedenfalls nicht dadurch stabiler, dass das Training besonders futuristisch aussieht.

Bequemes Training ist nicht automatisch schlechter

EMS klingt zunächst verlockend: Muskeltraining mit elektrischer Stimulation, ohne die klassische Folge von Rumpfübungen endlos wiederholen zu müssen. Das passt gut zu einer Zeit, in der viele Menschen nach möglichst effizienten Lösungen suchen. Ich würde dabei allerdings sauber unterscheiden, was die Methode leisten soll und welche Fähigkeiten ich für meinen Sport tatsächlich brauche. Eine stabile Position im Wasser oder auf dem Rad entsteht nicht allein aus kräftigen Muskeln, sondern auch aus koordinierter Bewegung.

Mir gefällt an der Diskussion vor allem, dass sie die vermeintliche Selbstverständlichkeit des klassischen Trainings hinterfragt. Man muss nicht jede Übung so machen wie früher im Schulsport. Gleichzeitig wäre es zu einfach, ein modernes Verfahren sofort zum vollständigen Ersatz für funktionelle Bewegung zu erklären. Die Anwendung, Intensität und persönliche Eignung gehören fachlich begleitet; bei bestimmten gesundheitlichen Voraussetzungen kann EMS ungeeignet sein.

Rumpfstabilität ist eine Aufgabe, kein Muskelbild

Beim Schwimmen merkt man unmittelbar, wenn die Körperlage nicht stimmt. Die Hüfte sinkt, der Wasserwiderstand steigt, und plötzlich versucht man mit mehr Armkraft auszugleichen, was sich eigentlich besser über die gesamte Bewegung lösen ließe. Ähnliche Zusammenhänge gibt es in anderen Ausdauersportarten. Kraft kann unterstützen, aber der Transfer in eine koordinierte sportliche Aufgabe muss mitgedacht werden.

Ich würde deshalb neben jeder Frage nach Muskelkraft auch die Frage nach der Bewegungskontrolle stellen. Wie lange halte ich eine gute Position? Verändert sie sich bei Ermüdung? Kann ich die Fähigkeit unter den Bedingungen meiner Sportart abrufen? Ein Trainingsverfahren ist dann besonders interessant, wenn man seinen Nutzen konkret prüfen kann und nicht nur das Gefühl bekommt, nach einer Einheit besonders viel geleistet zu haben.

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